HERMANN-EHLERS-SCHULE

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Vorlesewettbewerb 2011


Noch bevor es losging, herrschte im unteren Teil des Ganztagsgebäudes hohe Betriebsamkeit. Die Klasse 6a hatte mit ihrer Lehrerin und der schulinternen Wettbewerbsorganisatorin Jona Jasper einen Sketch über eine lustige Wettbewerbsszenerie für die aufgeregten Teilnehmer einstudiert. Schnell war dadurch jegliche große Nervosität verflogen. Mit absichtlich übertriebenen, und damit amüsanten Vorlesebeispielen unter den gespielt strengen Augen von Alisha Tyra Fisher alias Lehrerin Frau Knüppelkuh (aus dem Roman „Matilda“) brachten die Sechstklässler alle am Wettbewerb teilnehmenden Klassensieger, die Jury und geladene Schüler gleichermaßen zum Lachen. Im Anschluss leitete Martina Gutowski, Stufenleiterin 5/6, mit motivierenden Worten zum eigentlichen Teil der Veranstaltung in der Schülerbibliothek über.
Dort empfingen Lehrerin Heidi Böse-Dahlheimer und Bibliotheksleiterin sowie Wettbewerbsmitorganisatorin Isolde Wolf die gespannten Schüler, die an der als Sechseck angeordneten und von Wolf liebevoll weihnachtlich dekorierten Tischrunde Platz nahmen. Unter den wachen Augen der fünfköpfigen Jury mit Böse-Dahlheimer, Martin Weber (Fachleitung Deutsch), Leon Stefanjo (Vorjahresschulsieger), Lehrerin Verena Stoll und Wolf stellten die sieben Schülerinnen und ein Schüler ihre Wunschbücher nacheinander vor und gaben eine kurze Darbietung ihres leserischen Könnens.
Gleich zu Beginn des Wettbewerbs wurde es bereits gruselig. Verena Schmidt (Klasse 6b) eröffnete diesen mit einem Auszug aus Stephenie Meyers bekannter Vampir-Reihe und meisterte nach anfänglicher Nervosität sicher ihren Wunschtext. Mit einem kurzen Ausschnitt aus Cornelia Funkes „Tintenherz“ demonstrierte Laura Speer aus der Klasse 6d einen Ausschnitt ihres leserischen Könnens. Nach Lauras „Tintenherz“ übernahm Célina Hehemann (6a) das Vorlesen. Mit ihrer informativen Buchstelle nahm sie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die aufmerksam lauschende Jury mit auf eine Steinzeitreise mit „Rokal der Steinzeitjäger“. Wieder bissig-spannend wurde es im Anschluss bei Fee Wollstadt (6c). Ebenfalls mit einem Ausschnitt aus Stephenie Meyers bekannter Vampir-Reihe las sie gekonnt eine gefühlvolle Szenerie zwischen Vampir Edward und der jungen Bella. Als einziger männlicher Teilnehmer setzte Sascha Thömmes (6d) den Vorlesewettbewerb fort. Mit seinem Buch „Kleine Flügel machen Freunde“ der Autorin Alexandra Braun bot der Schüler mit konzentrierter Stimme seinen Zuhörern einen interessanten Einblick in seine Wunschlektüre.
Über „Lucy und Olivia – Allerliebste Vampirschwester“ ging es im Buch von Alisa Höpp. Die Schülerin aus der Klasse 6c beschrieb lebhaft gelesen die erste Begegnung zweier Vampirschwestern, die an den Erich Kästner-Klassiker „Das doppelte Lottchen“ erinnerte.
Schnell als Favoritin stellte sich Inna Röhrig aus der Klasse 6a heraus. Das braunhaarige Mädchen mit dem Stirnband las mit überraschender Dynamik einen Ausschnitt aus ihrem bemerkenswert gesellschaftskritischen Wunschbuch „Mutter Nummer Null“. Das Buch der Autorin Marjolijn Hof, in dem ein adoptierter Junge nach seiner Herkunft forscht, erhielt durch Innas lebhaften Lesestil eine spannende Note. Im Anschluss sprang Aline Weber aus der Klasse 6b für die erkrankte Michelle Schmidt (6d) ein und zeigte ein solides Leseergebnis. Mit ruhiger, konzentrierter Stimme verlas sie einen Ausschnitt aus ihrem Buch, ebenfalls aus Funkes „Tintenherz“-Reihe.
Für alle in der Bibliothek Anwesenden wurde es dann in der zweiten Runde noch einmal aufregend: Alle Teilnehmer mussten sich der Herausforderung stellen, einen Ausschnitt aus einem unbekannten Text vorzulesen. Organisatorin Jasper gab einen kurzen Einblick in das Buch „Löcher“ von Louis Sachar, in dem es um ein Erziehungscamp mit merkwürdigen Maßnahmen geht. Während Verena eine Beschreibung des Areals „Green Lake“ flüssig vortrug, gab Laura mit ihrer zügigen Lesung ihrer Textstelle einen anderen Charakter. Célina behauptete sich ebenfalls tapfer mit ihrem ihr unbekannten Ausschnitt aus Sachars Werk. Einer kleinen Herausforderung sah sich Fee danach mit dem Namen des nicht einfach auszusprechenden Protagonisten Stanley Yelnats gegenüber gestellt. In unaufdringlichem Erzählstil meisterte Sascha seinen Textausschnitt. Auch in der zweiten Runde überzeugte Inna wiederum mit ihrem dynamischen Lese-Stil.
Am Ende des spannenden und vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisierten Vorlesewettbewerbs war die Erleichterung den Teilnehmern merklich anzusehen. Jaspers Standpunkt, alle lesenden Schülerinnen und Sascha hätten die Situation trotz Aufregung angemessen und geschickt gemeistert, stimmte auch Jurorin Isolde Wolf zu. Diese vermutete Siegerin Inna schon früh auf dem ersten Platz. Wolf schätzte aber auch die gute Kooperation vonseiten des Vorjahressiegers Leon sowie den Einklang der Jury bei der Punkteverteilung. Weber, der zusammen mit seinen Jurykollegen die Leistungen der Schüler anhand der Bewertungskriterien Lesetechnik, Textgestaltung und Textverständnis bewertete, sah sich auch am Ende des Wettbewerbs in seiner vorherigen Aussage bestätigt. Organisatorin Jasper freute sich über den gelungenen Schritt, eine Art „lesendes Klassenzimmer“ geschaffen zu haben und brachte das auf den Punkt, was neben den Bewertungskriterien am meisten zählt: Es käme nicht so sehr darauf an, was gelesen wird, sondern auf welche engagierte Art. Das sei der Schlüssel.
Quelle: Christin Lilge. Wenn Vampire die Schülerbibliothek erobern. EA, 9.12.11.